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Aktuelle Veranstaltungen

Samstag, den 15. Mai 2022, 15:00 bis 19:00 Uhr
Jüdisches Kulturhaus, Flora-Neumann-Str. 1, U Messehallen

Die Nacht der ermordeten jüdischen Dichter*, Teil I: Dovid Hofshteyn und Itzik Fefer

Vortrag von Dr. Miriam Trinh, Universität(en) Tel Aviv und Jerusalem

Bei unserem Seminar wird Dr. Miriam Trinh zuerst eine Einführung in das Leben und Schaffen der beiden jiddisch-sowjetischen Dichter David Hofstein*** (1889 – 12.8.1952) und Itzik Fefer** (1900 - 12.8.1952) geben. Sie wird dabei deren zentrale Lebensstationen aufzeichnen: ihre Entwicklung zum jiddisch-sowjetischen Dichter aber auch zum Aktivisten in sprachlichen Belangen und in politischen Verbänden. Im zweiten und interaktiven Teil vom Seminar werden wir zusammen ausgewählte Texte verschiedener Schaffensphasen aus den Werken der beiden Schriftsteller lesen und analysieren. Darüber hinaus werden auch andere Quellen hinzugezogen werden, z.B. Erinnerungen von Schriftstellerkollegen, die die beiden Portraits aus zusätzlichen Blickwinkeln beleuchten sollen.

Geboren in Polen und aufgewachsen in Deutschland, absolvierte Dr. Miriam Trinh ihr Grundstudium in Philosophie und Jiddisch an der Hebräischen Universität in Jerusalem, erwarb ihren Master-Abschluss in jiddischer Literatur an den Universitäten Paris-Sorbonne und Marc Bloch in Straßburg, promovierte an der Hebräischen Universität und war Postdoktorandin an der John Hopkins University in Baltimore. Sie unterrichtet seit 1999 jiddische Sprache und Literatur in Paris, Oxford, Straßburg, Wilna, New York, Tel Aviv und unterrichtet derzeit Jiddisch an der Hebräischen Universität Jerusalem. Miriam Trinh hat Arbeiten auf dem Gebiet der modernen jiddischen Literatur und insbesondere zur Holocaust-Literatur veröffentlicht. Sie beschäftigt sich auch mit Übersetzungen aus dem Jiddischen.

Erklärungen zu den Ausdrücken / Namen mit Sternchen weiter unten, im Anschluss an den jiddischen Text und die Vorankündigungen.

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די נאַכט פֿון די דערהרגעטע פּאָעטן, ערשטער חלק׃ דוד האָפֿשטײן און איציק פֿעפֿער

אויפֿן סעמינאַר וועט ד״ר מרים טרין קודם געבן אַן אַרײַנפֿיר אין דעם לעבן און שאַפֿן פֿון די צוויי ייִדיש־סאָוועטישע פּאָעטן דוד האָפֿשטיין (1889 - 12.8.1952) און איציק פֿעפֿער (1900 - 12.8.1952). דערבײַ וועט זי נאָכצייכענען זייערע צענטראַלע לעבנס־סטאַנציעס ווי אויך פֿאָרשטעלן יעדן איינעמס אַנטוויקלונג ווי אַ ייִדיש־שרײַבער, ווי אַ ייִדיש־סאָוועטישער שרײַבער און אויך ווי כּלל־טוערס און אַקטיוויסטן. אין אַ צווייטן, פּראַקטישן און אינטעראַקטיוון טייל פֿונעם סעמינאַר וועט מען צוזאַמען לייענען און אַרומרעדן אַן אָפּקלײַב פֿון ביידנס יצירות פֿון פֿאַרשיידענע תּקופֿות. פֿאַר אַ צולאָג וועלן געברענגט ווערן אויך אַנדערע קוואַלן — ווי למשל זכרונות פֿון שרײַבער־קאָלעגעס — וואָס וועלן באַלײַכטן די פּאָרטרעטן פֿון די דאָזיקע צוויי שרײַבערס.

ד"ר מרים טרין איז געבוירן אין פּוילן און אויפֿגעװאַקסן אין דײַטשלאַנד.זי האָט אַן ערשטן דיפּלאָם אין ייִדיש און פֿילאָסאָפֿיע פֿונעם העברעיִשן אוניװערסיטעט, דעם מאַגיסטער פֿון סאָרבאָן־אוניװערסיטעט אין פּאַריז און שטראַסבורגער מאַרק־בלאָך־אוניװערסיטעט. איר דאָקטאָראַט האָט זי געשריבן אינעם העברעיִשן אוניװערסיטעט און דערנאָך געװען אויףַ א פּאָסט־דאָקטאָראַט אין באָלטימאָר (פֿ״ש.) זינט 1999 לערנט זי ייִדישע שפּראַך און ליטעראַטור, צװישן אַנדערע אין פּאַריז, אָקספֿאָרד, װילנע, שטראַסבורג, ניו־יאָרק, תּל־אָבֿיבֿ. איצט לערנט זי אין העברעיִשן אונ׳. זי האָט פֿאַרעפֿנטלעכט אַרבעטן אינעם תּחום פֿון מאָדערנער ייִדישער ליטעראַטור און ספּעציעל פֿון חורבן־ליטעראַטור. זי זעצט אויך איבער פֿון און אויף ייִדיש.

מיר בעטן בײַ אײַך זיך צו פֿאַרשרײַבן אויף דער לעקטציע מיט אַ בליצבריװל, קענען מיר אײַך צושיקן די טעקסטן פֿאַרן סעמינאַר׃ 
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Bildquelle: https://diariojudio.com/opinion/night-of-the-murdered-poets/276447/

 

 

Vorankündigungen - unser Themenschwerpunkt 70. Jahrestag des 12. Augusts 1952*:

19. Juni (15:00 – 18:00 Uhr): Zoom-Seminar über Dovid Bergelson + Peretz Markish,

Referentin: Dr. Natalia Krynicka von der Medem Bibliothek, Paris

28. August (15:00 – 18:00 Uhr): Leyb Kvitkos Erzählung „Arum a shif“,

Referentinnen: Inge Mandos / Marlies Ehlers, Ort: Aula der VHS Karolinenstraße

 

 

*12./13. August 1952 – Nacht der ermordeten Dichter (jiddische Schriftsteller und Kulturschaffende) in der UdSSR: Alle Angeklagten wurden wegen ihrer Verbindung zum Jüdischen Antifaschistischen Komitee unter dem Vorwand des Kosmopolitismus und/oder jüdischen Nationalismus, der Spionage und des Hochverrats verhaftet und hingerichtet, darunter u.a. Peretz Markisch, Itzik Fefer, Leyb Kvitko und Dovid Bergelson.

**Itzik Fefer (geboren am 23.9.1900 in Shpola, heutige Ukraine – ermordet am 12.8.1952 in Moskau) engagierte sich von Anfang an politisch. Nach einer kurzen Phase im Bund sowie in der Gewerkschaft wurde er 1919 Mitglied der Kommunistischen Partei und kämpfte als Freiwilliger im Bürgerkrieg auf Seiten der Roten Armee. Für seine Tätigkeit im kommunistischen Untergrund landete er kurze Zeit später im Gefängnis. Als bemerkenswerter Redner sprach er in Fabriken zu Tausenden von Arbeitern und leitete in den 30ern die jüdische Sektion der Proletarischen Schriftstellervereinigung der Ukraine. Seine kämpferische Lyrik brach Lanze für die Revolution, scheute sich nicht Stalin zu rühmen und machte ihn in den Augen Yankev Glatshteyns, der ihn gleichzeitig für seine Sprachgewalt und Spracherneuerung bewunderte, zum "sowjetischsten aller Dichter". Dies alles half nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr, um ihn, den verantwortlichen Sekretär des Jüdischen Antifaschistischen Komitees (JAFK), aus den Fängen des NKWD zu befreien. Als Zeuge der Anklage gegen das JAFK im Prozess vom 8. Mai 1952 widerrief er in letzter Minute seine „Geständnisse“ und spielte dadurch eine ambivalente Rolle bei der Vernichtung jiddischen Kulturlebens unter Stalin.

***Dovid Hofshteyn (geboren am 24.6.1889 in Korostytschew, heutige Ukraine – ermordet am 12.8.1952 in Moskau) schrieb nach der Oktoberrevolution 1917 ausschließlich auf Jiddisch und gab Russisch und Hebräisch auf. Stärker als bei Fefer wird bei Hofshteyn hin und wieder Kritik an gewissen antisemitischen Entwicklungen in der Sowjetunion hörbar. Nach Elegien auf die bei Pogromen in der Ukraine ermordeten Juden 1922 sowie dem Protest gegen die Schließung hebräischer Verlagshäuser und Druckereien verließ Hofshteyn gar die Sowjetunion und emigrierte 1925 über den zeitweiligen sowjetisch-jüdischen Schmelztiegel Berlin nach Palästina. Da er es fern einer großen Jiddisch-Leserschaft nicht lang aushielt, verfasste er dann jedoch einen öffentlichen Reuebrief, widerrief seine Kritik aus der Zeit vor seiner Ausreise und kehrte zurück. Anfang der 30er, innerhalb der jüdischen Sektion der Proletarischen Schriftstellervereinigung der Ukraine, erlebte er mit, wie sein Freund Der Nister für seinen Schreibstil und für seine „jüdisch-nationalen Exzesse“ angegriffen wurde. Ähnlich wie Leyb Kvitko oder andere sowjetisch-jüdische Schriftsteller verlagerte Hofshteyn von da an einen Teil seiner poetischen Schaffenskraft auf Schulbuchtexte und Kinderliteratur. Hofshteyn war von Anfang an aktiv beteiligt an den Projekten des JAFK und wurde hingerichtet, ohne dass seine Familie davon wusste – sie erfuhr davon erst 5 Monate später bei der Wohnungsräumung und wurde anschließend für 10 Jahre nach Sibirien verbannt.

 

 

Jiddisch-Bibliothek sucht neues Zuhause - sachdienliche Hinweise für eine neue Unterkunft erwünscht!

Nach der feierlichen Eröffnung einer gemeinsamen Jiddisch-Bibliothek des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) und der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft für Jiddisch e.V. (SBG) am 18. Juni 2019 sind leider nur 2 Jahre später dem Institut für Jüdische Philosophie und Religion die Räumlichkeiten in der Rothenbaumchaussee 34 gekündigt worden und unsere Bibliothek ist nun wieder heimatlos und liegt in Kisten in einem Keller eingelagert.

Unsere Bibliothek benötigt folgenden Platz: 35-40 Quadratmeter; Bücherbestand IGdJ und SBG zusammen ca. 3500 Bände

4 Regalmeter mit 6 Bücherborden
12 Regalmeter mit 5 Bücherborden
1 Rollschrank, Höhe ca. 2,40 m, Breite ca. 1,50 m
 
Bei Ideen für eine neue, längerfristige Unterbringung melden Sie sich bitte bei uns über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Jiddisch-Bibliothek in der Rothenbaumchaussee 34 - vor dem Auszug
Jiddisch-Bibliothek in den alten Räumlichkeiten vor dem kurzfristigen Auszug Ende September 2021